Samstag, 17. Januar 2015

Mein modetastischer ALN: das frühe 18. Jahrhundert

Hallihallo,

In den letzten Atemzügen des vergangenen Jahres habe ich euch ja von meinem Anderen Leistungsnachweis ( kurz ALN) zwar selten aber doch beständig berichtet und auch vorgeschlagen, dass ich, obgleich zunächst von meiner Endnote entmutigt, euch trotzdem meine Ergebnisse vorstellen möchte, einfach weil es mir Spaß macht und mein Geschichtslehrer sich in dem Punkt echt gemittelfingert fühlen darf. Seine Einschätzung hat mich doch schwer enttäuscht und mir doch den entschiedenen Tritt gegeben, den ich brauchte, um für mich festzustellen, dass es eben Menschen gibt, die es wert sind und andere eben nicht.
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Da ich meine kleine, aber doch treue und kommunikative Leserschaft als sehr würdig empfinde, kommt hier also in den folgenden Wochen immer häppchenweise ein Einblick in die Entwicklung der „Europäischen Frauenmode im Wandel der Zeit“. Jahreszeitlich werde ich mich vom 18. Jahrhundert bis zum Jahre 1945 herantasten, vielleicht aber noch über die Zeit davor und danach und wahlweise auch über bedeutende Vorreiter in Sachen Mode berichten – sollte das jemanden interessieren. Außerdem werde ich oftmals die einzelnen Epochen aufspalten und euch bestimmte Modeströmungen explizit vorstellen.
Gut wir wollen weder Zeit noch die Nerven verlieren, weshalb ich jetzt mit gleich mal mit dem 18. Jahrhundert (bis kurz vor der Französischen Revolution) anfange.

Das war das Einstiegsbild meiner PowerPoint - Präsentation...hach...
Zunächst ist zu sagen, dass während der gesamten Zeit von mir immer die Mode des Adels und später dann der Oberschicht betrachte, da sich in den einfachen Kleidung der Bäuerinnen nie ein Unterschied erkennbar war, aus dem einfachen Grund, weil die Frauen der Unterschicht stets wichtigere, ja über lebenswichtigere Probleme hatten, als das richtige Ballkleid zu finden.
Das 18. Jahrhundert ist hauptsächlich geprägt vom Wechsel der höfischen zur bürgerlich geprägten Mode. Dieser Wechsel ist durch den Beginn der Aufklärung und die adelvernichtende Französische Revolution zu erklären, auf die wir später eingehen werden.
Die Liebeserklärung von Jean François de Troy

Anfang des Jahrhunderts, als noch nicht die gepuderten Köpfe rollten und noch der dritten Stand geknechtet werden konnte, gab es nur einen kleinen Schritt vom eher pomphaften Barock zum eher kleinteiligen, zierlichen Rokoko überging. Rein vom Schnitt und vom Stoffverbrauch ist diese Veränderung zunächst nicht auszumachen, dafür wurden die Kleider noch exquisiter und mit noch winzigeren Details geschmückt. So wurden dutzende Blümchen und Schleifchen an den Hofkleidern angebracht und auch die Frisuren und Kopfbedeckungen der Damen wurden diesem niedlichen Miniaturfaible angepasst. 
Einige der ersten Modezeichnungen zeigen beispielsweise Adlige mit Segelschiffen, die man sonst nur auf dem Wasser oder in Flaschen kennt, auf den weiß gepuderten Köpfen. 


Diese aufwendigen Kopfbedeckungen zusammen mit den überfrachteten Roben wogen schon eine ganze Menge. Dazu kamen noch Unterkleider, Reifröcke, abschnürende Korsetts, die eigentliche Perücke und allerlei andere Kinkerlitzchen, die einzig der Verschönerung der Frau dienten, dementsprechend aber keinesfalls an die fehlende Muskulatur und geringe Körpergröße der Trägerinnen angepasst waren.




Man muss sich vorstellen, dass eine Adlige am europäischen Hof nichts weiter war als Ehefrau und/ oder Mätresse. Diese Frauen hatten den ganzen Tag über nichts zu tun und waren mehr Zierde als Mensch. Um jedoch nicht den einzigen Inhalt ihres Lebens, den der Dekoration, zu verlieren, wurde sehr viel getrickst. Modisch entwickelte sich das Schäferkostüm zu einem Renner, obwohl ja keine der Damen jemals eine Weide betreten, geschweige denn eine Herde Schafe gehütet hätte. Der Schein der harmonischen Landidylle, die damals vor allem vom Adel heiß geliebt wurde, wurde jedoch gewahrt und nur darauf kam es an, weshalb aus das Schäferkostüm als Vorreiter der Trachtenmode gilt. Nicht anders gehandhabten es die Damen wenn es ums Thema Alter ging. Auch hier wurde mit der Realität gespielt.
Unterschiedliche Frisuren des frühen 18. Jahrhunderts
Man puderte sich absichtlich die Perücken und Haarteile weiß und grau, um durch vorgetäuschte Alterung das eigenen Alter zu vertuschen. So konnte man eine Zwanzigjährige von einer deutlich älteren Adligen anhand der Haartracht nicht unterscheiden. Ziemlich clever...
In den Perücken wurden nebenbei auch kleine Duftfläschen und ausgeklügelte Fallen integriert, zum Einen damit das falsche Haar schön duftete, hauptsächlich aber hatten sie aber die Aufgabe, Ungeziefer anzulocken und einzufangen, da man sich nicht unbedingt um Körperhygiene scherte, denkt man nur an die Gerüchte, dass man auch nach den glorreichen Zeiten des Sonnenkönigs überall seine Notdurft im Palast verrichten durfte, Ludwig (der XIV) selbst gerne dazu hinter die Vorhänge im Spiegelsaal ging.
Um auch die mangelnde Hygiene zu verdecken nutzten Männlein wie Weiblein kleine Schönheitsflecken in den unterschiedlichsten Formen, die dann mit heißen Wachs auf Pickel, Altersflecken oder einfach Hautunreinheiten geklebt wurden.

Allgemein kann man also festhalten, dass die Adlige des 18. Jahrhunderts ziemlich viel aushalten musste um von ihren männlichen Verehrern an geschmachtet zu werden. Man geht davon aus, dass der gesamte Putz, neudenglisch auch Outfit genannt, mindestens 20kg gewogen hat, den die Frauen allein weder an noch ausziehen konnte und über den gesamten Tag mit winzigen Absatzschuhe durch die Schlösser transportieren musste. Trotzdem empfand man diese Belastung der Gesundheit nicht als etwas Schlimmes, dass man hätte ändern müssen – nein die Frauen gingen sogar noch viel weiter.

Galakleidung von 1760
Korsetts wurden möglichst eng geschnürt, Körperformen dadurch stark formiert und Perücken nach ihrer Üppigkeit ausgesucht. Zudem gab es den kosmetischen Trend, sich den Saft der hochgiftigen Tollkirsche ins Auge träufeln zu lassen, da dadurch die Pupille geweitet werden konnte, gleichzeitig aber auch die überaus realistische Gefahr bestand, an einer Überdosis zu erblinden, die für viele Damen dann schlussendlich auch eintrat.
Madame Pompadour, die Mätresse Ludwig des XV, mit geweiteten Pupillen
Als sich die politischen Verhältnisse zuspitzen, folgt auf den Rokoko, der den Schein und das künstliche Geschaffenen liebt, bald ein krasser Umschwung zur bürgerlichen Mode der Französischen Revolution – der wir uns beim nächsten Mal widmen.

liebst
Elli

Kommentare:

  1. Das Schiff ist ja nett, das sieht tatsächlich cool aus! Würde ich mir jetzt nicht auf den Kopf pflanzen wollen, aber sonst...
    Ich finde das mit den Tollkirschen krank, die Fallen ekelhaft und die riesenhaften Kleider absolut entzückend. Es ist aber schon ein bisschen abschreckend, das wiegt ja ernsthaft so viel wie eine mittelmäßige Ritterrüstung, oder? Das mit dem starken Geschlecht sollte man nochmal überdenken.
    Ich finde, das ist so ein fabelhaftes Thema... ich hab die Präsentation so direkt zwar nicht gesehen, aber mir tut es echt leid mit der Note, vor allem, weil du dir da so viel Mühe gegeben hast.

    Alles Liebe,
    Mara

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    1. Einige der Beautygeheimnisse des 18. Jahrhunderts grenzen schon
      an Folter - das ist richtig - sind aber mit der damaligen richtigen Folter nicht zu vergleichen.
      Ja, die Damen mussten schon viel schleppen. Das war nicht immer lustig, schließlich konnte sich
      die adligen Frauen nicht allein an - und ausziehen und durch die Korsetts und Reifröcke nicht einmal hinsetzen.
      Na ja...

      Toll dass dir das Thema gefällt. Eigentlich hat es allen, sogar Herrn X gefallen,
      aber er konnte das scheinbar nicht so ausdrücken. Egal.
      Wozu habe ich schließlich diesen Blog?

      liebst
      Elli

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