Dienstag, 7. Februar 2017

Ich bin hardcore. Ich bin der verfickte King.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen dem unwirklichen Traum nacheifern, mit was auch immer und wie auch immer “berühmt“ zu werden. Es gibt tausende Castingsshows auf der Welt für jedes Talent und jeden IQ. 

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Wir denken wirklich, dass wir irgendwann doch ein Stück vom Kuchen ergattern können und merken nicht, wie das mächtige 1% der Weltbevölkerung nur sanft lächelt und den Kopf schüttelt. Ruhm ist ein Monster. Das von uns so glorifizierte Showbusiness ist nichts weiter ein blutiger Machtkampf. Kapitalismus in Reinform. Wer nicht mithält, wird am langen Arm versterben. 
Wer das nicht glaubt sollte vielleicht > Kill your friends< von John Niven lesen.


John Niven wurde an irgendeinem Tag im Jahre 1968 im schottischen Irvine geboren. Er besuchte die University of Glasgow und arbeitete dann bei verschiedenen Plattenfirmen in der Marketingabteilung und als A&R – Manager. A&R ist in der Musikbranche die Abteilung, die sich um die Entdeckung und Pflege neuer Talente zuständig ist. 
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Ein Job der sich recht einfach anhört es ist aber sowas von gar nicht ist. In seiner Karriere lehnt die (mittlerweile weltberühmte) Bands Coldplay und Muse ab, wodurch seiner jeweiligen Plattenfirma so viel Geld durch die Lappen geht, das es hier nicht weiter erwähnt werden sollte. Anfang der Zweitausender verlässt die Musikindustrie und schreibt seitdem lieber Romane, Drehbücher und Zeitungskolumnen. Mit >Kill your friends < gelang ihm 2005 der Durchbruch. Wohl auch, weil man durch Roman einen guten Einblick in die glitzernde, blutsaugende Welt der Plattenfirmen erhält.


1997. Steven Stelfox ist 27 und arbeitet als A&R – Agent bei einer großen Plattenfirma. Er hat alles, was den Lifestyle in der Glitzerwelt ausmacht aber weder einen wirklich populären Musikgeschmack noch genügend Acts an der Hand, die seine Stellung in der Firma schützen. Denn nur solange man erfolgreich neue Talente entdeckt und ansprechend an die Öffentlichkeit verkauft – sprich möglichst viel Profit macht – kann man bestehen. Es gibt in seiner Abteilung nur einen Kollegen, Waters, der sich noch schlechter schlägt als Steven selbst und entsprechend oft als Sündenbock herhalten muss. Trotzdem steht er mit im Rennen um den Posten zum Chef der A&R – Abteilung als schließlich der Vorgänger aufgrund von Fehlentscheidungen abdanken muss. Steven sieht seine Chance aber auch, dass Waters ihm höchstwahrscheinlich dabei im Wege stehen könnte, da er beliebter ist.


Hinzu kommt, dass Steven schon lange nicht mehr nach einer Glückssträhne greifen konnte und damit genauso wenig vorzuweisen hat wie Waters, da Steven eigentlich nicht wirklich arbeitet sondern eher sein Gehalt in Alkohol, Drogen und Sex investiert ( wie der Rest der Firma). Er entdeckt zu spät oder gar nicht das Potenzial einiger Acts. Diejenigen, die er unter Vertrag nimmt, sind offensichtlich zum Scheitern verurteilt. Auf seine Kollegen und deren Erfolge ist rasend eifersüchtig, aber anstatt an sich selbst und seinen Problemen zu arbeiten w#hlt er den einfachen Weg – und mordet sich an die Spitze.


Künstlers oder das Erweichen der Herzen durch süße Gesänge. Wie sollte es auch anders sein, wenn man ein so urmenschliches, freies Vergnügen wie Musik kommerzialisiert? Es geht ums Geld nicht um Gedanken.
So scheint es auch, dass man für den Beruf des A&R – Agenten nur zwei (bzw drei) Dinge braucht: ein Paar Ohren und einen Mund. Das Eine braucht man, um den fremdfabrizierten Mist aufzunehmen, das Andere, um den selbstfabrizierten Mist ausstoßen zu können. Steven lügt in einer Tour ohne dabei auch eine Spur rot zu werden und so tun es auch seinen Kollegen und Kontrahenten. Das Buch ist voller schnuckelig verpackten, substanzlosen Dialoge der Charaktere. Jeder kämpft und stirbt schlussendlich für sich allein. Das jedoch hat Steven verstanden. Geschickt spielt er schlussendlich alle gegeneinander aus. Alle bezahlen eine nie offen gestellte Rechnung.
John Niven weiß zu schocken. > Kill your friends < ist ein einziger Schmelztiegel aus Drogenmissbrauch, kranken Sexfantasien und brutaler, detaillierter Gewalt. Es gibt keinen Sympathieträger, aber das ist auch gar nicht vorgesehen. Zum Ende hin ist man so an das Gemisch aus Gefühlskälte und Dauerrausch gewöhnt, dass Einen genau diese Taubheit gegenüber dem Chaos wieder geschockt. Man wartet auf die nächste unwirkliche Grausigkeit – wie im echten Leben.

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2015 wurde > Kill your friends < mit Nicholas Hoult ( der schon in der ungepassten Serie >Skins< überzeugen konnte) verfilmt und von den Kritikern wie Publikum gefeiert. Viele bezeichnen sowohl Buch als auch Film als den >American Pyscho< des 21. Jahrhunderts. Die Parallelen sind unübersehbar. Wir lieben es einfach zu sehen, wenn die mächtigen 1% genauso düstere Triebe ausleben wie der Pöbel, wenn der goldene Lack langsam absplittert.


liebst
Ellie♥

Freitag, 27. Januar 2017

Die stillen Globalisierer

Es gibt Berufe, die nie wirklich die Anerkennung erhalten die ihnen zusteht. In unsere Glitzerwelt passen einfach keine Altenpflegerinnen, Putzkräfte und Kanalreiniger, obwohl sie und viele andere es doch sind, die unsere Gesellschaft erst die Grundlage für Luxus und Dekadenz schaffen und bewahren. Da sie aber mit ihrer Tätigkeit wenig Glamour versprühen werden sie wenig beachtet, wenn nicht sogar mit einem unschönen Stigma behaftet, was nicht nur falsch sondern auch dumm ist.

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Wir sollen die Leute im Schatten mehr ehren und genau das werde ich mit einer Berufsgruppe tun, die für unsere Kommunikation in Zeiten der Globalisierung unerlässlich geworden ist und doch nie mit den Lorbeeren gekrönt wird, auch wenn sie es allemal verdient hätte. Ich rede von all den Übersetzer/innen weltweit, ohne die Literatur und Kommunikation nicht ansatzweise das wäre, was es ist.

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Über die Jahre habe ich bereits zweimal meine Liebe ( >hier< und >hier<) für Übersetzer schriftlich ausgedrückt, aber tief in meinem Herzen wusste ich wohl, dass das einfach nicht ausreichen würde. Bevor ich auch so richtig mit dem Schwärmen anfange, möchte ich noch sagen, dass mir natürlich bewusst ist, dass Übersetzer nicht gerade zu den unterschätzen aber wahrscheinlich zu den weitestgehend unbekannten Berufsgruppen gehören. Wenn ich sie also huldige bedeutet das nicht, dass das ich andere Berufe weniger schätze. Nun aber zurück zum eigentlichen Thema.
Ich möchte und kann mir ehrlich gesagt einfach nicht vorstellen, wo wir heute stehen würde, wenn es nicht die vielen Menschen geben würde, deren Beruf es ist, Schriftstücke von einer Sprache in eine andere zu übersetzen. All die Romane, die wir nie lesen würden. All die Filme und Fernsehsendungen die wir nie sehen und wirklich verstehen würden. Einfach all das Wissen, das wir nie erlangen würden!
Wie schrecklich und langweilig wäre wohl diese Welt?! Und wie klein.

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Zugegeben, es gibt auch schwarze Schafe in dieser Berufsgruppe. ( Ja ich rede unter Anderem von der Person, die in der ersten Ausgabe von >Harry Potter und der Stein der Weisen< Lavender Brown in einen Jungen und Blaise Zabini in ein Mädchen verwandelt hat....) Aber zum Einen gibt es die wohl überall und zum Anderen ist es nicht immer ihre Schuld und Fehler passieren einfach. Wenn man nämlich das in Vergleich zu den Errungenschaften setzt, die uns diese Sprachkünstler seit Jahrhunderten schenken, dann schrumpfen diese Fehler plötzlich ins Mikroskopische.
Worauf ich eigentlich schlussendlich mit diesem Artikel hinaus möchte: Liebt nicht nur den Autor eures Lieblingsbuches oder eures Lieblingsfilms – liebt auch den Übersetzer, der euch erst das Werk in eurer Sprache zugänglich gemacht hat. Er oder Sie verdient es!

liebst
Ellie♥

Sonntag, 22. Januar 2017

Ich zerstöre also bin ich

Als ich klein war ich der festen Überzeugung, alle Menschen wären in ihrem tiefsten Inneren gut. Die einzigen Bösewichte die ich kannte waren Charaktere aus dem Kinderfernsehen, die eigentlich auch nur nach Liebe und Ansehen strebten und entweder zum Ende des Films ihre moralischen Fehler einsahen und Besserung gelobten oder ihre gerechte Strafe erhielten, dabei aber immer eine zweite Chance erhielten. Umso älter man jedoch wird, desto deutlicher wird, was für ein Trugbild man unterlegen war. 

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Einerseits ist das Böse nicht immer ersichtlich (auch wenn uns kunterbunte Kinderwelten uns das weismachen wollen, indem sie den Bösewicht immer hässlich erscheinen lassen und er/sie scheinbar nur dunkle, sumpfige Farben tragen darf, während alle Anderen einem Bonbonglas entstiegen sind), andererseits gibt es auch Herzen deren Kern nicht aus flüssigem Karamell besteht. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, sondern grau. Woher aber kommt nun das Dunkle in uns? Wird man böse geboren oder so erzogen? Lionel Shriver nähert sich dieser Frage vorsichtig mit > Wir müssen über Kevin reden < an.


Am 18. Mai 1957 erblickte Margaret Ann Shriver in Gastonia ( North Carolina) das Licht der Welt. Anders als ihren Eltern gefiel ihr ihr weiblicher Vorname überhaupt nicht, da er nicht zu ihrem wilden Charakter passen würde und änderte ihn deshalb mit 15 offiziell in Lionel, einen eigentlich männlichen Namen. Nach ihrem Schulabschluss machte sie an der Columbia University ihren Bachelor of Arts und anschließend ihren Master of Fine Arts.
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 > Wir müssen über Kevin reden <, erschienen 2003, ist ihr achter Roman und verschaffte ihr den verdienten Durchbruch, nachdem ihren sieben vorherigen Romane eher wenig bis keine Anerkennung erhielten. 2005 erhielt Lionel für ihr Werk den Orange Prize for Fiction und entfachte mit dessen Inhalt einige Kontroversen. Privat lebt sie mit ihrem Mann, dem Jazz-Schlagzeuger Jeff Williams in London. 


Eva Khatchadourian lebt mit ihrem Mann Franklin Plaskett ein Leben lebt, von dem viele nur träumen. Sie ist eine erfolgreiche Reisejournalistin, publiziert Reiseführer mit Tipps für den kleinen Geldbeutel, während er für große Firmen durch die Vereinigten Staaten fährt um geeignete Locations für deren Werbeannoncen zu finden. Beide sind Mitte dreißig, wohlhabend, kinderlos und dementsprechend ungezwungen und frei von Existenzängsten. Eigentlich geht es ihnen gut, aber irgendwas fehlt Eva. Fremde Länder und das ständige Reisen haben mittlerweile für sie an Reiz verloren und zuzusehen wie alle alten Freunde sich nun rührend um ihre Kinder kümmern anstatt nachts noch um die Häuser zu ziehen macht es nicht gerade besser. 
Als sie Franklin vorschlägt, dass auch sie ein Kind haben könnten, ist dieser sofort Feuer und Flamme. Zwar plagen Eva auch einige Zweifel und richtige Muttergefühle kann sie während der Schwangerschaft nicht aufbauen, aber Franklin dabei zu erleben, wie dieser in seiner neuen Rolle als Vater aufblüht, zwingt sie, ihm nichts von ihren Ängsten und Unwohlsein zu erzählen. Das sie einmal ihren Sohn im Gefängnis besuchen wird kann sie nicht wissen.



Es kristallisiert sich für Eva schnell heraus, dass ihr Sohn anders ist. Er ist körperlich und geistig kerngesund aber dennoch fühlt sie, dass etwas mit Kevin nicht stimmt. Als Baby schreit er sich die Seele aus dem Leib, als Kleinkind spricht er dafür kein Wort. Später erfindet er eine eigene Sprache, die er mit äußerster Vorliebe benutzt, um seine Mutter nachzuäffen. Seiner Mutter gegenüber gibt er sich äußert unterkühlt, während er seinem Vater gegenüber eine übertrieben fröhliche Miene aufsetzt, hinter die nur Eva blickt. Kevin hat keine Vorlieben, weder Ängste noch Ambitionen. 
Als Eva seine Wasserspritzpistole in einem Wutanfall zerstört, nachdem er zuvor ihr Arbeitszimmer ruiniert hat, sind seine Augen nicht von Trauer oder Ärger sondern von Erleichterung erfüllt. Kevin lernt heimlich und isst nicht in Anwesenheit seiner Eltern. Alles das tut er um eine Fassade aufrecht zu erhalten, die man nicht attackieren kann, einfach weil es keine Angriffspunkte gibt, die auf eine Persönlichkeit zurück zu führen wären. Und wieder beunruhigt dieser Mangel an Neugierde und Interesse nur Eva während ihr Mann seinem Sohn einfach neue Spielzeuge kauft oder neue Sportarten mit ihm ausprobiert. Irgendwas wird man ja wohl finden.




Die einzige Zeit in der sich Kevin “gehen lässt“ und sein Mauerwerk bröckelt erlebt Eva, als ihr Sohn für zwei Wochen ernsthaft krank ist. Er scheint zu schwach um zynisch und kalt seiner Mutter gegenüber zu treten sondern genießt es richtig, von ihr umsorgt und gepflegt zu werden. Auch Eva blüht in dieser Zeit auf, da sie denkt, nun endlich den entschiedenen Draht zu ihrem Kind gefunden zu haben. Sie beschließt eine bessere, liebevollere Mutter zu werden, da all ihre Bemühungen nun endlich auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. 
Er verrät ihr, was er gerne isst und welchen Pyjama er gerne trägt und als Eva ihm abends im Bett aus Robin Hood vorliest, kuschelt er sich an sie. Entsprechend ernüchtert muss Eva feststellen, dass von dieser Wärme nichts übrig geblieben ist, als Kevin schließlich wieder genesen ist. Er reagiert sogar noch gereizter auf ihre Annäherungsversuche, da er ihr in einem schwachen Moment zu viel von sich Preis gegeben hat. Das einzige was aus dieser Zeit hängen bleibt ist Kevins Vorliebe für das Buch Robin Hood, in dem er seine einzige erkennbare Leidenschaft entdeckt – das Bogenschießen.


Die Jahre vergehen. Kevins Bögen und seine emotionslose Maskerade wachsen mit ihm, nicht aber irgendwelche Gefühle für seine Eltern oder seine jüngere Schwester Celia. Aus purer Verzweiflung, dass es an ihr liegen könnte, beschließt Eva nämlich, dass sie noch ein Kind haben möchte. Franklin ist davon wenig überzeugt, spricht sich aber gegen eine Abtreibung aus, als Eva doch schwanger wird. Die kleine Celia ist ganz anders als ihr Bruder. 
Genauer gesagt ist sie das komplette Gegenteil. Sie zeigt offen ihre Ängste, von denen sie so viele hat, aber auch ihre Liebe, von der sie viel zu geben hat. Sie sieht immer das Gute in den Menschen, sogar in ihrem großen Bruder, der ihr nur Hass und Missgunst entgegen bringt. In ihrer Tochter findet Eva das Kind, das sie sich immer gewünscht hat, während Franklin nie wirklich einen Draht zu seiner Tochter aufbaut. Er hat in seinem Sohn seinen Verbündeten gefunden, da dieser nicht so sensibel und ängstlich ist wie Celia.

Woher diese Ängste stammen kann Eva nicht genau ergründen, nur das Kevin nicht ganz unschuldig daran ist. Als Celias Weihnachtsgeschenk, eine Kurzohrige Elefantenspitzmaus verschwindet und tags drauf im Badezimmer der Kinder der Abfluss verstopft ist, ahnt Eva wer dahinter steckt, stößt damit aber bei ihrem Ehemann nur auf taube Ohren. Die Situation entartet, als Eva am nächsten Tag zu ihrer Tochter ins Krankenhaus fahren muss. Das Mädchen hatte Rohrreiniger ins Auge bekommen, wobei unklar ist, wie sie überhaupt an die Flasche gekommen ist. Als Eva Kevin dieser Tat verdächtigt, reißt Franklin der Geduldsfaden. Er will die Scheidung und beide Kinder zu sich nehmen.



Am Abend des 8. Aprils 1999, nur ein paar Tage vor Kevins 16. Geburtstag, erhält Eva einen Anruf, der ihr Leben vollends verändern wird. An Kevins Highschool wurde ein Amoklauf mit bislang 10 Opfern verübt. Unwissend, dass ihr eigener Sohn der Amokläufer ist, rast Eva zur Schule um dort die Türen der Sporthalle mit den gleichen gelben Fahrradschlössern verschlossen zu sehen, die Kevin sich Tage zuvor im Internet bestellt hatte. 
Seine Opfer sind handverlesen und nur deswegen zur lebendigen Zielscheibe für seine neue Armbrust geworden, weil sie etwas liebten. Unter ihnen finden sich ein begeisterter Sportler, eine ambitionierte Aktivistin, das schönste Mädchen der Schule und Kevins Englischlehrerin, die unbedingt einen Draht zu ihrem schwierigsten, aber somit auch liebsten Schüler aufbauen wollte. 
Das man sich für etwas wirklich begeistern kann verachtet Kevin, weil er es nicht versteht. Er selbst liebt nichts und niemanden. Das Bogenschießen ist für ihn nur Mittel zum Zweck. Als er von Polizisten unter den Augen seiner entsetzten Augen seiner Mutter und dem aufgebrachten Geschrei seiner Mitschüler abgeführt wird, ist er keineswegs verschüchtert oder sich der Konsequenzen nicht bewusst. Er hat alles bis ins kleinste Detail geplant und trägt die Verantwortung für seine grausame Tat wie eine Medaille.
Geschockt und gebrochen fährt Eva an diesem Abend nach Hause und hofft, wenigstens im Schoße ihrer Familie halt zu finden. Als sie das Haus stockdunkel und verlassen vorfindet, wächst ihre Panik. An Kevins Schießstand findet sie schließlich Celia und Franklin – beide von Pfeilen durchbohrt und von Kevin für seine Mutter in Szene gesetzt.





Evas Welt ist in sich zusammengebrochen. Verhandlungen vor Gericht und der Hass der Bevölkerung, die sie für die Tat ihres Sohnes mitverantwortlich macht, treiben sie in den finanziellen und seelischen Ruin. Das Einzige, was ihr geblieben ist, ist ein brüchiges Häuschen, ein trister Job in einem kleinen Reisebüro bei dem ihre Kollegen sie bewusst meiden und ihr Sohn, der sie bei den regelmäßigen Besuchen mit Abscheu empfängt. Die erste Zeit redet sie gar nicht mit ihm, obwohl er der Einzige ist, der überhaupt noch mit ihr redet. Später tastet sie sich über flachen Smalltalk an ihn heran, dem Kevin zynisch abblockt.



Das einzige Gesprächsthema für das Kevin ein grenzwertiges Interesse zeigt sind Amokläufe. Er kennt alle Mörder, Waffen und Fehler, die sie seiner Meinung nach begangen haben. Eva lässt sich auf diese Schiene widerwillig ein. An seinem “Jahrestag“, wenige Tage vor seinem 18. Geburtstag bringt sie schließlich den Mut auf, ihren Sohn zu fragen, was ihn überhaupt zu dieser Tat verleitet hat. Als er antwortet, dass er das jetzt nicht mehr so genau sagen könnte, flammt in Eva plötzlich etwas auf, das sie all diese Jahre zuvor nicht für ihren Sohn empfunden hat. Sie muss sich selbst eingestehen, dass sie ihren Sohn liebt. Sie weiß nicht, was für ein Mensch Kevin sein wird, wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird, aber sie hat sich vorbereitet und ein Zimmer für ihn in ihrem Häuschen eingerichtet. Im Regal liegt bereits die alte Ausgabe von Robin Hood.


Der Roman > Wir müssen über Kevin reden < (2003) und dessen Verfilmung mit Tilda Swinton und Ezra Miller (2011) Zündstoff für Diskussionen. Lionel Shriver berichtet von allen Geschehnissen aus Evas Sicht, die in Briefen an ihren verstorbenen Ehemann ihr Herz ausschüttet und ihm Geheimnisse offenbart, welche früh als Anzeichen für die Tragödie gewertet werden können. Sie bleibt allein und verachtet vor einem Scherbenhaufen zurück, der einmal ihr Leben war. Obwohl Shriver schonungslos über Gefühlskälte zwischen Mutter und Kind, detaillierten Amokläufen und dem Heranwachsen eines Psychopathen schreibt, spürt man immer auch ein Spur Hoffnung und Wärme – sogar für Kevin. Sie weist niemandem die Schuld für Kevins desaströses Verhalten zu, unterscheidet nicht generell in Gut und Böse. So öffnet sich Kevin zum Schluss emotional gegenüber seiner Mutter und bittet sie sogar, Celias Glasauge, dass sie seit dem Unfall tragen musste, in einem kleinen Sarg, den er extra dafür angefertigt hat, zu begraben, ohne das die Aktion dabei von ihm als weiterer Tritt gegen seine am Boden liegende Mutter angedacht ist.

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Shriver gibt auch nicht die ultimative Lösung, wenn man herausfinden möchte, wie das Böse entsteht und ob man es irgendwie stoppen kann. Eva bekennt sich zwar dazu, dass sie bei Kevins Erziehung einige Fehler begannen hat, andererseits zwingt sie sich immer wieder ihm eine bessere Mutter zu sein und Celia wächst unter ihrer Obhut nicht zu einem kaltblütigen Monster heran. Wenn das Böse also nicht anerzogen wird, muss man wohl böse geboren werden, da jeder Fluss einer Quelle entspringen muss. Physisch wie psychisch lassen sich dafür bei Kevin im Kindesalter dafür aber keine Anzeichen finden. Die Gene eines Menschen dafür verantwortlich zu machen wäre schlussendlich auch auf medizinischer wie moralischer Ebene äußerst fragwürdig. 
Wer also einen Ratgeber zur “richtigen“ Kindererziehung in > Wir müssen über Kevin reden < erwartet wird wahrscheinlich recht schnell enttäuscht werden. Wer sich aber nicht vor dem Abstieg in den seelischen Abgrund eines düsteren Herzens und der Chronologie einer Katastrophe fürchtet, bei dem werden sowohl Buch als auch Film in guten Händen liegen.



liebst
Ellie

Montag, 22. August 2016

ADLEÖ: Der wirklich letzte Tag

Hallihallo,


Wie bereits am letzten Freitag angekündigt, war heute mein wirklich letzter Arbeitstag in der Oberförsterei. Ab jetzt habe ich Urlaub und mein Freiwilliges Ökologisches Jahr ist somit offiziell (?) beendet. Ab jetzt beginnt ein neuer Abschnitt, während ein anderer abgeschlossen wird. Es fühlt sich ziemlich komisch an und ich weiß nicht so recht, was ich schreiben soll.

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Früh morgens gings nochmal mit meinen Kollegen in den Wald. Nur mein Vorarbeiter wusste anscheinend, dass heute mein letzter Tag war, weshalb mein Lieblingskollege einen ziemlichen Schock erlitt, als er davon erfuhr. Das tat mir irgendwie leid, aber ich konnte nichts tun. Schließlich kann ich ja nicht all meine Zukunftspläne sausen lassen, nur weil mein Lieblingskollege eine grausame Welpenaugenattacke auf mich startet. Aber er wird es schon verstehen und irgendwann verdauen.
Nachmittags saßen wir noch bei Kaffee und ( von mir mit viel Liebe eigenhändig ) gebackenen Kuchen zusammen und ich habe ein kleines Abschiedsgeschenk bekommen, über das ich mich riesig gefreut habe, da es ein Buch über Edelsteine war, das schon ewig in der Oberförsterei rum lag und ebenso lange mein Interesse geweckt hatte. Darüber und über die liebevolle Behandlung meiner Kollegen hat mich so gerührt, dass ich weinen musste. Und ich schäme mich überhaupt nicht dafür, weil es sich richtig angefühlt hat!
Als ich zum letzten Mal aus der Tür der Oberförsterei schritt war das ein extrem surreales Gefühl. Als hätte sich eine Tür, bis auf einen kleinen Spalt, der von einer Babybuche offen gehalten wird, geschlossen und gleichzeitig ein Tor zu einer Welt im Nebel geöffnet. Mal sehen, ob ich eine gute Taschenlampe finde.
Ich hoffe, dass meine Erfahrungsberichte zum Thema FÖJ jemandem helfen, oder wenigstens unterhalten, haben. Für mich war es die beste Entscheidung - und für meine Umwelt wohl auch. Ich habe dadurch noch eine ganz andere Sicht auf den Wald und seine Bewohner und Diener erhalten und fühle mich ihm nun näher als zuvor. Hört sich komisch an, ist aber so.

liebst

Ellie♥

Freitag, 19. August 2016

ADLEÖ: Danke, mein alter Kranich

Hallihallo,

Eigentlich ist es schon Wahnsinn, wie schnell doch die Zeit vergehen kann. Kaum fängt ein Jahr an, so ist es auch schon um. Anfang September letzten Jahres hätte ich nie gedacht, dass ich so viel in einem Jahr erleben, so viele tolle Leute kennen lernen und so viele Babybäumchen pflanzen werde.

Über Einiges habe ich sogar schon geschrieben, da ich meine Erlebnisse auch mit euch teilen wollte. Natürlich sind aber diese Erlebnisse die " Highlights ", die den Alltag ein wenig auflockern. Insbesondere seit Mai diesen Jahres sitze ich die meiste Zeit im Waldmuseum – welches ich heute zum letzten Mal betreuen durfte.

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Die Tage im Waldmuseum waren höchst unterschiedlich. Einige waren außergewöhnlich, einige nervenaufreibend und manche ziemlich langweilig. Irgendwie war es aber immer schön. Zum Einen, weil das Museum selbst mich immer auf Trab gehalten hat, da ja Staub und Schmutz ein wunderbar nachwachsende Rohstoffe sind, zum Anderen aber, weil es immer wieder herzerwärmend ist, wenn ein Kinderlachen das Museum erfüllt.
Ich weiß nicht einmal, ob ich traurig bin, dass Waldmuseum nicht mehr betreuen zu dürfen. Wahrscheinlich kommt diese Einsicht erst später. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass es nicht wirklich mein allerletzter Arbeitstag ist. Der ist nämlich erst am Montag. Daher kommt noch nicht wirklich dieses traurige Gefühl des Abschieds auf.
Vermissen werde ich das Waldmuseum aber natürlich trotzdem. Schon jeden Morgen mit dem Rad die unendlichen Kilometer zu fahren fehlt mir ein wenig. Wohl eine Sache der Gewohnheit.
Ich tröste mich einfach mit dem Gedanken, dass das Waldmuseum nicht aus der Welt ist und ich es jederzeit ( vorausgesetzt natürlich es ist geöffnet) besuchen kann.

liebst
Ellie♥

Donnerstag, 11. August 2016

ADLEÖ: Otter? Biber? Whatever!

Hallihallo,


Es folgt ein kleiner Bericht über meinen Alltag im Waldmuseum. Bevor ich anfange mich zu wundern und zu ärgern, eine kleine Erklärung vorneweg. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es wenn Menschen neugierig bleiben und sich weiterbilden. Ich bin der Meinung, dass man nie auslernt und man nichts weiß, wenn man denkt, dass man alles weiß. Aber manchmal liegen Neugierde und schlichte Unwissenheit einfach viel zu dicht bei einander.

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Ein Museum ist ein Ort des Wissens, des Entdeckens und natürlich der Fragen. Fragen sind unerlässlich für das Wachstum unserer grauen Zellen. Ich finde es am spannendsten, wenn man sich seine Fragen selbst beantworten kann. Mit offenen Augen und Ohren durch die Weltgeschichte zu gehen und zu einem laufenden Schwamm zu werden kann unglaublich viel Spaß machen. Ich will damit nicht sagen, dass ich klüger bin als jedes Menschenkind, das je auf unserer Erde wandelte, aber mir ist aufgefallen, dass es für einige Leute weniger interessant ist, ihr Wissen zu erweitern.
Insbesondere durch meinen Dienst im Museum konnte ich einen guten Einblick in so manches Hirn einiger meiner Gäste bekommen. Frei nach dem ( von Marc-Uwe Kling ersonnenen) Motto: „ lieber fünf Mal nachgefragt, als einmal nachgedacht.“, trudeln einige Leute bei mir ein, die mich tausend Dinge fragen, die eindeutig und gut lesbar irgendwo im Museum zu finden sind.

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Vielleicht liegt es auch an mir und ich bin die Abnorme, aber wenn ein erwachsener Mensch einen Biber nicht von einem Fischotter unterscheiden kann oder mich hysterisch fragt, was denn da für ein schwarz-weißes Tier im Schaukasten steht ( Spoiler: es handelt sich dabei um einen Dachs), dann macht mich das irgendwie doch wütend.
Wahrscheinlich ist es schwer nachzuvollziehen. Wahrscheinlich ist es wohl in Zeiten des Internets normal geworden, einfach das Hirn aus und das Smartphone anzuschalten aber schön ist das nicht. Jedenfalls für mich nicht. Es ist ja in Ordnung, wenn man Fragen stellt. Keine Frage. Aber wenn man aus einem Museum nicht schlauer rausgeht, als man reingegangen ist, läuft doch irgendwas gehörig schief. Oder nicht?

liebst
Ellie♥

Donnerstag, 28. Juli 2016

5 Tage Helsinki-Syndrom: Sightseeing im Miniformat

Hallihallo,

Es ist schon komisch, wie unterschiedlich Zeit vergehen kann. Letztes Jahr hatten wir für drei Städte so viele Tage wie dieses Jahr für eine Stadt und ich habe es doch geschafft, weniger Fotos von Sehenswürdigkeiten zu machen. Da ich aber bereits in der Ecke stehe und mich dafür schäme, hoffe ich, für mein Fehlverhalten nicht gerügt zu werden. Es gibt trotzdem genügend zu sehen und zu lesen. Ich wollte es nur kurz anmerken.

Man soll nicht denken, dass es in Helsinki nichts Sehenswertes zu bestaunen gibt. Es gibt so viel zu sehen, aber leider hat der Tag nur 24 Stunden.

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Für den zweiten Tag in Helsinki hatten wir uns vorgenommen, möglichst viel für den darauffolgenden zu regeln, an dem es uns ( Spoiler!) nach Tallinn führen sollte. Aber dazu kommen wir, wenn es soweit ist.
Auf dem Weg zum Fährhafen, wo wir unsere Tickets für den nächsten Tag kaufen wollten, kamen wir ohne Probleme an einigen Sehenswürdigkeiten Helsinkis vorbei und wachen Verstandes zückte ich meine Kamera um sie für euch festzuhalten.



Der Senatsplatz im Zentrum Helsinkis. Sofort ins Auge springt natürlich der schneeweiße Dom von Helsinki, der von Carl Ludwig Engel ( einem Schüler Schinkels) bereits 1819 entworfen und dann von 1830 bis 1852 von vielen fleißigen Finnen erbaut wurde. Der Dom ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Helsinkis und ist Tag und Nacht Tummelplatz von Menschen jeder Form und Farbe.



Wer per pedes zum Fährhafen möchte, kommt ganz von allein am Marktplatz vorbei. Wer originelle Souvenirs oder einfach ( recht teure) 500g-Schalen mit Erdbeeren sucht, ist hier genau richtig. Wer übrigens am ersten Freitag eines jeden Monats hier aufschlägt, kann sich hübsche amerikanische Oldtimer angucken. Wir hatten aufgrund des Datums logischerweise kein Glück, aber handgemachte Filzseifen und erschwingliche Malereien der Aurora Borealis über Lappland haben auch einen gewissen Reiz.
( Wer sich wundert, wo sich der Markt befindet – ich weiß, dass Foto ist irgendwie nicht soo aussagekräftig – er befindet sich auf der rechten Seite)







Ein weiteres Wunderwerk der Architektur ist die Uspenski-Kathedrale, die sich unweit vom Marktplatz befindet. Schon von Außen wirkt das Gotteshaus der finnisch-orthodoxen Gemeinde imposant.
Einige Male habe ich wahrscheinlich schon erwähnt, dass ich selbst nicht religiös veranlagt bin, mich aber eine übermäßige Ehrfurcht vor der religiösen Architektur packt, wenn ich so etwas Schönes wie die Uspenski-Kathedrale sehe. Deswegen wollte ich sie euch auch nicht vorenthalten. 


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Und auch das letzte Bauwerk, dass ich euch vorstellen möchte, ist von religiöser Natur. Die Temppeliaukio-Kirche ist wohl eine der faszinierendsten Orte, um seinem Gott zu frönen. Mitten in der Stadt könnte sie nicht uriger sein. Sie wirkt wie mit Spitzhacken in den harten Stein gehauen und passt damit wirklich perfekt zu Finnland. Rau, hart und doch von unsagbarer Schönheit. Leider ist sie innen doch recht klein und wenn man zusammen mit gefühlt sechstausend anderen Touristen sich hinein begibt, kommt irgendwie nicht so die Stimmung auf, die wohl aufkommen sollte. Deswegen konnte ich kein ansprechendes Bild vom Innenbereich machen, aber dafür gibt’s ja bekanntlich Google.
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Noch immer ärgere ich mich, wieso ich weder Zeit noch Muße genommen habe, um mehr an sehenswerten Sehenswürdigkeiten zu finden und festzuhalten. Wahrscheinlich war die Metropole Helsinki für ein Mädchen, dass Monate zuvor nur im Wald unterwegs war, einfach nur eine vollkommene Reizüberflutung. So erkläre ich mir das einfach mal. Hoffentlich gefallen euch diese raren Bilder trotzdem. Ansonsten sollten wir einen Antrag für mehr Stunden am Tag beantragen.

liebst
Ellie♥

Mittwoch, 27. Juli 2016

5 Tage Helsinki-Syndrom: Moi! Tervetuola!

Hallihallo,


Nachdem meine Mama und ich letztes Jahr, nach unserer gemeinsamen Mini-Skandinavienreise von Kopenhagen über Malmö nach Stockholm ( > klick <), aus dem Flugzeug gestiegen waren, stand für uns beide fest, dass es mit einem Mädelsurlaub hoch im Norden nicht getan sein kann.
So wurde für dieses Jahr eine weitere Reise angesetzt, die uns diesmal nach Finnland führen und dort mit seinem rauen Charme verführen sollte.

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Um ganz genau zu sein ging es nach Helsinki, der Hauptstadt des Landes, das von sich selbst sagt, dass hier alles genauso ist wie in Schweden – nur halt nicht so schwul ( und damit in gewisser Weise sogar sehr recht hat). Dazu muss man sagen, dass Schweden ein wirklich traumhaftes Land ist und die Aussage auch nur scherzhaft gemeint ist. Nachbarn necken sich halt gerne. Das kennt man ja. Trotzdem ist Finnland irgendwie....heterosexueller (?). Kann man das sagen? Hat ein Land ein Geschlecht oder sogar eine Sexualität?
Ich lasse mein Reisetagebuch besser nicht zu einer philosophischen Grundsatzdiskussion ausarten und erzähle lieber erst einmal von unserem ersten Tag in Helsinki, wo die Sonne (zumindest in den Sommermonaten) nie wirklich unterzugehen scheint.


Nach anfänglichen Startschwierigkeiten am Berliner Flughafen Tegel, die dem grausigen Wetter geschuldet waren, ging es dann hoch über den Wolken geradewegs zum Flughafen Helsinki-Vantaa.
Von da aus fuhren wir mit einem Direktzug in die Innenstadt. Und hier muss man die Skandinavier wirklich loben. Was Infrastruktur angeht, haben die es einfach mal richtig drauf! Alle öffentlichen Verkehrsmittel kommen in so himmlischen Takten, das ist man so gar nicht aus Deutschland gewöhnt. Stichwort: pünktliche Züge!

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Bis zu unserem Hostel im Designviertel waren es nur noch wenige Katzensprünge, auf denen wir aber einen ersten Eindruck der Hauptstadt bekamen. Nun folgt eine Warnung, für alle die allergisch auf Jutebeutel, Hornbrillen und ungepflegte Bärte sind! Helsinki ist wohl die verhipsterte Stadt in der ich je war und ich war in Berlin. Mehre Male! Wer sich also ungern von veganem Chiapudding und Yogi-Tee ernähren möchte, sollte eher raus ins wilde Finnland fahren, wo die Männer sich einen Bart nicht zu Modezwecken sondern zum Schutz vorm Erfrieren stehen lassen.
Wer, wie ich, nichts gegen Hipster hat, wird sich in Helsinki aber pudelwohl fühlen, da es doch die lieben Hipster sind, die unsere Jugendkultur voranbringen, kreativ ihre Lebenszeit nutzen wollen und Hersteller von riskant engen Hosen am nähren! Also ein Hoch auf die Haupstadt der Hipster Helsinki!

liebst
Ellie♥

Freitag, 15. Juli 2016

ADLEÖ: Wandern und Popeln

Hallihallo,


Schon früher habe ich mich gewundert und auch sehr gefreut, wie klein doch die Welt sein kann > klick <. Jeden Tag müssten wir eigentlich den Visionären der Mobilität dafür danken, dass wir so schnell von A nach B kommen können und so die Erde kleiner und heimeliger machen. Sogar in meinem kleinen Museum mitten im Wald habe ich manchmal das Vergnügen, den Nutzen der Globalisierung zu spüren.

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Die meisten meiner Gäste im Waldmuseum stammen aus dem Umkreis, aber natürlich finden auch Urlauber aus ganz Deutschland ihren Weg hierher – oder eben aus Australien.
Ja die Welt ist ein Dorf und als ich an diesem Morgen die heiligen Hallen der Waldpädagogik öffnete, konnte ich nicht ahnen, wer mich besuchen würde. Es war eine Familie, die in meinem Herzen einen besonderen Platz als „die liebsten Gäste die ich je hatte“ erhalten würden. Da wir insbesondere für Familien ein Hörstück anbieten tat ich es auch diesmal. Die Vater lächelte auf mein Angebot hin nur und seine Frau meinte, dass das eine gute Idee wäre, auch wenn ihr Mann eh nichts davon verstehen würde. Zunächst dachte ich an einen groben Scherz ihrerseits den Intelligenzquotient ihres Liebsten betreffend aber es sollte sich herausstellen, dass ihr Mann das Hörstück nicht verstehen würde, weil er so gut Deutsch wie ich Klingonisch kann ( zu meinem Bedauern kann ich es nicht).

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So kam es also, dass ich mit den Eltern ins Gespräch kam, während die bilingual erzogenen Kinder durchs Museum strolchten. Zunächst bot mir die Frau an, für mich zu dolmetschen, aber das lehnte ich konsequent ab. Wann bitte hat man schon die Möglichkeit sich mit einem Australier über die deutschen Wälder zu unterhalten? Ich denke eher selten.
Schlussendlich wurden wir von den beiden Rackern unterbrochen, die bis dato jeden Quadratmillimeter inspiziert hatten. Dabei hörte ich einen der lieblichsten Sätze, die ich je hören durfte. Als der Vater gerade im Schwärmen über die deutschen Wälder war, setzte sich sein Sohn neben sich und steckte sich den Finger in die Nase. Sein Vater reagierte sofort darauf. „ Yeah we really love to wander through the woods....and picking our noses“. Ich musste viel Kraft aufwenden um ein Lachen zu verkneifen.
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Wieso erzähle ich das eigentlich alles? Nun wenn man es einfach halten will, dann würde ich sagen, dass meine ADLEÖ – Posts ja auch als Tagebucheinträge nutze. Eigentlich geht es darum aber nicht. Es geht darum, wie ähnlich wir uns doch sind, egal woher wir kommen. Es geht darum, dass sich Menschen, woher sie auch stammen, sich an den einfachen Dingen, wie einem Waldspaziergang mit der Familie, erfreuen können und das Kinder jeder Nation gerne auch mal popeln. Es geht darum, dass Globalisierung auch Spaß machen kann! ( Und auch echt sexy sein kann - wenn man Marilyn Monroe ist.)

liebst
Ellie♥

Freitag, 29. April 2016

Kur in Kassel: Wie Phönix aus der Asche?

Hallihallo,

Der letzte Tag unserer Kur war wenig spektakulär. Nach dem Frühstück hatte ich noch eine Moorpackung und danach gings auch eigentlich schon auf den Bahnsteig zurück nach Hause. Deswegen möchte ich diesen Post nutzen um eine kleine Einschätzung zu meinem Aufenthalt abzugeben.

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Am besten fange ich mit ein klitzekleines Bisschen „ Kritik“ an. Mal wieder wiederhole ich mich und sage, dass ich mich für die Art Mensch halte, die unbedingt in eine Rehaklinik gehört, da ich mit den meisten der Therapien nichts anfangen kann. Jedoch ist mir aufgefallen, dass sehr viele Menschen sich als zu dieser Art zählen und das Thema deswegen derart wichtig nehmen und einen schon einen Todesblick zuwerfen, nur weil man nicht weiß wo man sein Handtuch hin tun sollf, dass man am liebsten auf seine in laktosefreier Butter geschwenkten Zuckerschoten brechen möchte. 
Ich sah meinen Aufenthalt ja aus einem eher humorvollen Blickwinkel aber alle Anderen, Patienten wie Klinikpersonal, reagierten auf mein Lächeln mit einer derartigen Arroganz, dass ich so eine Woche ( oder eher mehrere, da ein normaler Rehaaufenthalt ja eigentlich länger als eine Woche dauert) ausgehend von der Zwischenmenschlichkeit nie nie nie wieder machen würde. Vielleicht hatte ich aber nur Pech mit der Woche. Hinzu kommen einige fast schon ans Absurde grenzende Therapien.
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Ansonsten war die Woche echt in Ordnung. Zwar konnte ich weder ein grundlegende äußerliche oder geistige Veränderung an mir feststellen, aber ich konnte viele neue Eindrücke sammeln, wofür ich sehr dankbar bin.
Wer mehr der Typ für so was ist, dem wird das ständige Betütteltwerden sicherlich gut gefallen. Mir reicht mein Wald oder ein gutes Buch, aber glücklicherweise sind wir Menschen ja verschieden. Jeder sollte sich etwas suchen, bei dem er oder sie so richtig entspannen und Energie tanken kann. Also ab ins Moor und bewusstem Sauerstoff atmen!

liebst
Ellie♥