Montag, 25. April 2016

Zur Kur in Kassel: Vom Mensch zum wassertretenden Moorhuhn

Hallihallo,

Ich weiß ja nicht, welche Altersklasse ihr mit Rehakliniken verbindet, aber ich für meinen Teil dachte lange, genauer gesagt bis zu diesem Tage, dass diese Kliniken hauptsächlich von Omis aufgesucht werden. Erstaunlicher – oder erschreckenderweise ist dem nicht so. Alle Altersgruppen sind vertreten, was mich sehr überrascht hat. Mein Wunschbild von dutzenden Omis, die gemeinsam stricken, schnattern und dabei Fußbäder nehmen oder in Bademänteln durch die Lobby watscheln wurde also leider nicht befriedigt, aber gut.



Wenn man will, dass was richtig läuft, muss mans wohl selber machen, weshalb ich für mich beschlossen habe, während dieser Woche in die Rolle einer Omi zu schlüpfen, die ihre restlichen Tage zwischen Wassertretbecken und Bewegungsbädern genießt, einfach weil sies kann.


Und so ging es am Montag, nach dem Aufstehen aus meinem Omibett 
( ich nenne es einfach mal so, da über meinem Kopf ein riesiger Kasten hing, in dem ein Radio und ein roter Notfallknopf integriert war, damit eine Omi alles parat falls sie mal Musik hören will oder einen Herzanfall bekommt) 
schon mit einer Moorpackung los. 
Ich hab sowas zuvor noch nie gemacht und war dementsprechend gespannt. Als ich dann auf der Liege, eingewickelt in ein Laken lag und meine Rückenpartie samt Nacken von klitschig-warmen Moorpäckchen gewärmt wurde, kam ich mir wie eine dicke Raupe kurz vor der Verwandlung in einen Schmetterling vor – nur das ich danach keine Flügel hatte, dafür aber mein Rücken ein wenig sumpfig und vermodert gerochen hat.


Nächster Punkt auf meinem Therapieplan war Wassertreten, was ich davor so auch noch nicht gemacht habe. Zuvor war Wassertreten für mich immer nur das vorsichtige Tippeln an der Wasserkante eines Sees, wenn es im Sommer verdammt heiß ist, das Wasser aber noch klirrend kalt und man sich zwischen dem Hitze-oder Kältetod zu entscheiden hat. Oh ich hatte keine Ahnung, wie ausgeklügelt und edel zugleich das storchengleiche Treten in knietiefem Wasser sein kann.


Wie man auf dem Bild sieht, gibt es zwei Becken. Das linke ist mit warmen, das rechte mit kaltem Wasser gefüllt. Zunächst dreht man drei Runden im linken Becken, danach eine im kalten. Das ganze wird dann zwei Mal wiederholt. Hört sich einfach an, ist es auch und macht irgendwie auch Spaß. Besonders wenn man wirklich so tut, als wäre man ein Storch und das Bein so hoch anzieht wie man kann und dabei den Kopf im Rhythmus vor und zurück bewegt. Die ganze Prozedur nämlich ernst zu nehmen, ist ( für mich jedenfalls) unmöglich.


Nach meinem belebenden Aufenthalt im antik angehauchtem Wasserbecken gab es auch schon Mittagessen. Normalerweise mache ich das nicht und finde es auch bei anderen eher fragwürdig, aber diese Woche habe ich eine Ausnahme gemacht und …..mein Essen fotografiert. 
Ich habe es nur für euch, meine lieben Leser gemacht, damit ihr einen Einblick bekommt, was für Essen man in einer Rehaklinik bekommt, also freut euch gefälligst und lobpreiset mich! :'D
Tags zuvor habe ich mich für den Essensplan der >leichten Vollkost < entschieden, was sich mega gesund aber auch mega langweilig anhört. Beides war in gewisser Weise der Fall, wenn man eine Prise Salz an seinem Essen gewöhnt ist. Genießbar war es trotzdem, sodass ich mich am Montag an "Spaghetti mit „ Bolognesesoße“ ( keine Ahnung wieso da jemand Gänsefüßchen ran gemacht hat. In Sachen Nahrung sind Gänsefüßchen ja nicht immer ein ausgesprochen gutes Zeichen o.O' ) vom Rind mit frischer Zucchini mit Pesto"  erfreuen konnte. Parmesan war optional und wurde von mir auch ausgiebig verwendet.

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Da ich nachmittags nichts mehr auf meinem Plan zu stehen hatte, folgte ich einem unterirdischen Geheimgang um zur Therme zu gelangen. Dort angekommen schmiss ich mich bis zum Abendessen in die salzigen Fluten und rutschte so oft, wie es sonst nur präpubertären Jungs an einem heißen Tag im Hallenbad machen, mit dem Sinn, so abgefahren wie möglich eine Rutsche hinunter zu gelangen und dabei natürlich seine Lippen blau zu färben. Ich kann bereits verraten, dass das ein wichtiger Aspekt meiner Kurwoche sein wird.

liebst
Ellie ♥

Sonntag, 24. April 2016

Zur Kur in Kassel: Die Ankunft

Hallihallo,

Meine Güte! Es ist fast nicht zu glauben, wie lange ich mich schon nicht mehr gemeldet habe. Für meine Abstinenz gab es aber ( wie so oft) mehrere Gründe, die ich hier auch nicht weiter ausweiten möchte, da es nicht wichtig ist, wieso ich nicht geschrieben habe, sondern, dass ich jetzt wieder schreibe und meinen kleinen Blog mit Artikeln füttere. Eine wahre Sturzflut an hirnlichen Ergüssen wird nun über meinen Blog und meine lieben Leser hinein brechen, da ich mal wieder über meinen Urlaub schreiben werde.

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Ja auch ich kleiner Öki bekomme Urlaub, sogar gar nicht mal zu knapp, und wenn man zum ersten Mal in seinem Leben eben diesen selbst planen darf/muss, da man an keine Ferienzeiten gebunden ist, merkt man doch, dass das gar nicht so einfach ist. Meine 21 Tage gut zu verplanen und aufzubrauchen war für mich schwerer als gedacht. Hört sich komisch an, war aber so.
Da ich gute Erfahrungen gemacht habe, einfach das Zepter meiner Mama in die Hand zu drücken ( zB bei unserer Mini-Skandinavienreise letztes Jahr > klick<), habe ich das auch dieses Mal getan und wie aus dem Nichts stand schon mein erster längerer Urlaub vor der Tür.


Eine mehrstündige Bahnreise führte uns nach Kassel. In eine Reha-Klinik.
Auf den ersten wie auch den zweiten Blick erscheint dieser Ort vielleicht nicht als unbedingt normal um dort einfach mal Urlaub zu machen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls noch nie jemanden kennengelernt der gerne mal in Reha-Kliniken Urlaub macht. Wenn euch das bis jetzt genauso erging, dann kennt ihr jetzt einen hoffnungslosen Fall der eine Reha-Klinik als Urlaubsziel seiner Träume gewählt hat – mich.
Glücklicherweise kann ich sagen, dass ich nicht als Patient sondern wirklich nur als Urlauber in die Klinik gezogen bin, da meine Mama hier eine Fortbildung absolviert und ich halt das schmückende Beiwerk bilde. Trotzdem wurden wir wie ganz normale Patienten behandelt, als wir am Sonntag hier ankamen.


Wer vielleicht in Kassel und Umgebung wohnt oder verrückterweise einen Überblick über die Reha-Kliniken Deutschlands besitzt, der wird wahrscheinlich schon wissen, welche Klinik ich meine. Alle anderen werden es selbst irgendwie herausfinden müssen oder damit klar kommen im Dunst der Unwissenheit zu verweilen, da ich weder den Namen der Klinik noch irgendwelche Namen nennen werde. Grund dafür ist, dass ich natürlich anders über meinen Aufenthalt hier denke und berichte als ein wirklicher Patient. 
Vieles hier war neu, aufregend aber auch an der harten Grenze zur Absurdität, sodass ich wahrscheinlich auch viele Therapien auf die Schippe nehmen werde. Damit will ich sie nicht allgemein verunglimpfen sondern einfach meine Gedanken dazu ausdrücken. Das musste jetzt für den Anfang einfach mal gesagt werden, damit keiner denkt ich würde diese Klinik schlecht machen wollen.


Nun aber zurück zum Ausgangspunkt. Nach dem Einchecken hatten wir noch ein wenig Zeit bis zum Abendessen, sodass wir beschlossen uns einmal die Klinik anzusehen um am ersten Behandlungstag auch zu wissen wo wir überhaupt hin müssen. Die Zeit brauchten wir auch wirklich, da die Klinik einfach nur riesig und nur aus Geheimgängen und Räumen zu bestehen scheint. Hätte nur noch gefehlt, dass sich die Treppen bewegen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Dank unzähliger Wegweisern mit goldenen Lettern die die unzähligen Räume ausschildern, fanden wir schlussendlich auch in unseren Speisesaal und abends auch zurück in unsere Betten.
Soviel also erst einmal zu Tag 0 in der Klinik. Recht unspektakulär mag man wohl denken, aber ist die Ankunft in einer Unterkunft ( welcher Art auch immer) das nicht immer? Die nächsten Tage wird es spannender.

liebst

Ellie♥

Mittwoch, 6. April 2016

Der erfundene Traum der dritten Hauptfigur



Hallihallo,

Man sagt, dass alle Helden jung sterben. Auch sagt man, dass solange jemand an einen denkt, man nie wirklich stirbt. Unser Leben kann also fortgesetzt werden, solange wir nicht in Vergessenheit geraten. Auch setzen wir das Leben anderer fort, indem wir an sie denken und in unseren Herzen wie Schütze hüten. Eine recht romantische, spirituelle Vorstellung, aber man kann das Leben und Werk eines Menschen auch praktisch fortsetzen und so vor dem Tod durch Vergessen bewahren. Genau so etwas ist dem Rowohlt-Verlag mit > Bilder deiner großen Liebe< von Wolfgang Herrndorf gelungen

Kostenpunkt: 9,99€

Wolfgang Herrndorf kam am 12. Juni 1965 in Hamburg zur Welt. Über seine Kindheit und Jugend ist kaum etwas bekannt, über sein Leben als Erwachsener dafür umso mehr.
In Nürnberg studierte er an der Akademie der Bildenden Künste Malerei. Anschließend arbeitete er sowohl als Illustrator wie auch als Autor unter anderem für die Satirezeitschrift Titanic, bevor er sich ganz aufs Schreiben fokussierte.

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Sein Debütroman > In Plüschgewittern < erschien 2002. Danach folgten zwei weitere Werke, bevor ihm 2010 mit dem Bildungsroman > Tschick < der große Wurf gelang.Über ein Jahr stand das Werk in den deutschen Bestsellerlisten und erhielt 2011 verdientermaßen den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Im gleichen Jahr, in dem > Tschick < veröffentlicht wurde, stellte man aber auch einen bösartigen Hirntumor bei Herrndorf fest. 
Anstatt sich aufzugeben, wurde der Autor, dessen Markenzeichen ein Adidas-Trainingsjacke war, immer produktiver. Er startet seinen Blog, > Arbeit und Struktur< den er als digitales Tagebuch führt und erlebt noch wie sein Roman > Sand < 2011 veröffentlicht wird.
Am 26. August 2013 nimmt sich Herrndorf in Berlin selbst das Leben. Im Dezember desselben Jahres wird ihm zu Ehren sein Blog in Buchform veröffentlicht und der Rowohlt-Verlag befindet sich in der schwierigen Aufgabe, Wolfgang Herrndorfs allerletzten Roman > Bilder deiner großen Liebe < liebevoll zusammen zu puzzeln und zu veröffentlichen.


Der Roman > Bilder deiner großen Liebe < ist sowohl eine Fortsetzung des Bestsellers > Tschick < aus der Sicht der dritten Protagonistin Isa Schmidt, kann aber auch als eigenständiges Werk gesehen werden, in dem die Figuren aus > Tschick < nur einen Cameo-Auftritt hätten.
Wie auch immer man es deuten möchte, Hauptcharakter dieses Romans ist die vierzehnjährige Isa Schmidt. Nach einem gelungenen Ausbruch aus einer Nervenheilanstalt bricht sie in ein Abenteuer zu Fuß und weder sichtbares Ziel noch Ende auf. Dabei weiß man nie, was während ihrer Erzählungen wahr und wirklich und was Auswüchse ihres charmant verrückten Hirns sind. 
Realität und Traum verschmelzen ineinander und ziehen Umwelt wie andere Personen mit in ihren Bann.
Eine besondere Begegnung ist hierbei die mit dem taubstummen Olaf, der viel lieber Heinrich heißen würde und ein Schild um den Hals trägt, auf dem noch einmal steht, dass er weder hören noch sprechen kann. Trotzdem kann er sich ohne Probleme mit Isa unterhalten. 
Ob er nur ein Geschöpf ihrer Fantasie ist oder nicht wird dabei nicht geklärt, nur dass er glücklich ist und am nächsten Morgen verschwunden.
Mit der Zeit verliert sich Isa immer mehr in ihren Träumereien, sodass ihr weiterer Weg und die Personen, die sie dabei antrifft eine verrückte Schönheit besitzen. 
Auf einer alten Mülldeponie dann kommt sie mit den Protagonisten aus > Tschick < in Berührung. Zunächst sind diese von ihr abgeneigt, nehmen sie dann aber mit auf ihre Reise, nachdem Isa ihnen hilft, Benzin aus 
einem anderen Auto abzuzapfen. Einzig diese Stelle kann man wohl noch als realistisch bezeichnen, da man sie auch in > Tschick < wiederfinden kann. Ansonsten bleibt es bis zum abrupten Ende bezaubernd verschwommen und fantastisch unwirklich.


Um ehrlich zu sein, war schlussendlich nicht der Roman selbst, sondern seinen Entstehungsgeschichte sehr interessant. In den letzten Monaten seines Lebens traf Wolfgang Herrndorf noch wichtige Entscheidungen für das Werk. So legte er selbst den Titel fest und auch aus seinem Pinsel stammt das Gemälde auf dem Cover. Zu Ende schreiben konnte er es, aufgrund seines fortgeschrittenen Krebsstadiums nicht und auch seinem Wunsch, das jemand es als Ko-Autor beenden sollte, wollte und konnte niemand nachkommen. 
So willigte Wolfgang Herrndorf schließlich ein, > Bilder deiner großen Liebe < mit einem erklärenden Nachwort veröffentlichen zu lassen.
Um es aber dennoch veröffentlichen zu können, setzten Mitarbeiter des Rowohlt-Verlags, Freunde und Herrdorfs Frau Carola Wimmer das Manuskript und Fragmente aus einem zweiten Dokument mit dem Titel Verstreutes
in dem Herrndorf Varianten der Handlung, Einträge aus Wikipedia-Artikeln und „schöne Wörter“ wie „ Eigenmirage“ zu finden waren, zu einem Werk zusammen. Man handelte in Herrndorfs Sinne und versuchte so dicht am Stil des Autors und der Logik der Handlung zu bleiben. 
Gewisse Lücken und wirre Gedankenfetzen ließen sich dabei nicht vermeiden, machen das Werk aber auch erst so schön und verrückt wie es ist und wahrscheinlich auch sein sollte. 
Auch Wolfgang Herrndorf selbst und in gewisser Weise auch seinen Krebs, der ihm seine Konzentration nahm und zunehmend erschöpfte, kann man, nicht nur in einer Figur, die Isa auf einem Friedhof trifft und eine grüne Trainingsjacke trägt, erkennen, sodass er dank > Bilder deiner großen Liebe< nie ganz sterben wird.

liebst
Ellie♥

Sonntag, 3. April 2016

Klein aber Kunst

Hallihallo

Kunst ist etwas verdammt wundervolles. Obwohl es grundsätzlich, wenn man mal ernst ist keinen materiellen Nutzen hat, also nicht wirklich Werte schafft, so bereichert es unser Leben doch sehr. Man kann seinen Wert nicht mit den Augen sondern nur mit dem Herzen wahrnehmen.
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Leider ist Kunst als Schulfach wiederum ziemlich beschissen. Woran das liegt kann ich nicht einmal genau sagen, aber mir hat der Kunstunterricht immer keinen Spaß gemacht. Etwas vollkommen Emotionales wie Kunst durch zähes Analysieren zu rationalisieren ist Schwachsinn. Insbesondere wenn man in einem furchtbar hässlichen und nichtssagenden Bild den Sinn des Lebens saugen muss.
Entweder ist man künstlerisch veranlagt oder man ist es einfach nicht. Man kann Talente zusätzlich unterstützen, kann dabei aber nicht verlangen, dass eine gesamte Klasse aus Picassos und Kandinskys besteht.

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Ich für meinen Teil bin im handwerklichen Bereich der Kunst eine echte Niete, schaue mir dafür gute Kunst umso lieber an. Für die „alten Meister“ kann ich mich jedoch überhaupt nicht begeistern und tue auch nicht so. Nicht dass ich sie verunglimpfen möchte, da es natürlich unglaublich schöne Werke aus allen Dekaden gibt, nur sprechen mich eben auch die „jungen Wilden“ unser Zeit an. Hier meine ich aber auch nicht unbedingt irgendwelche überkandidelten Wichtigtuer mit Seidenschal und Baskenmütze ( was man ja als Künstler tragen muss?!) übers Parkett flanieren und paraphrasieren, als hätten sie sich so viel dabei gedacht als sie einen Eimer Wandfarbe von Obi im Farbton Eierschale gegen eine mehlweiße Leinwand geworfen haben.
Ich möchte auf die kleinen, eifrigen Künstler aufmerksam machen, die sich auf Deviantart, Tumblr und Co. tummeln, zeichnen und kreieren, weil es ihnen Spaß macht und nebenher einfach ganz normalen Berufen nachgehen. Auch sie geben sich Mühe und stecken viel Herzblut in ihre Werke. Wieso sollten sie deshalb also nicht auch gefeiert werden?
Beim Stöbern habe ich einige solcher „Kleinkünstler“ aufgetan, die ich im Laufe der Zeit hier vorstellen möchte. Einige von ihnen zB Andrew Tarusov oder auch die polnische Künstlerin Meago habe ich bereits vorgestellt, leider aber immer nur vereinzelte Serien. Da sie sich aber auch noch natürlich mehr als nur einer Idee hingeben, möchte ich sie und ihre Werke komprimieren, um die Kreativität und Variabilität meiner Lieblingskünstler zu zeigen. Ich hoffe euch wird es soviel Spaß machen wie mir.

liebst

Ellie♥

Sonntag, 20. März 2016

Wieso finnische Männer stricken

Hallihallo,

Im letzten August habe ich die schönen Illustrationen der Künstlerin Ella Frances Sanders zufällig gefunden, die sich allesamt mit ungewöhnlichen, unübersetzbaren Wörtern aus aller Welt beschäftigen.
Seither hat mich dieses Thema nie ganz losgelassen und wie ein weiterer Zufall es wollte, habe ich doch glatt in einer kleinen Ramschecke eines Discounters ein Buch gefunden, dass die Lust auf neue Wörter stillen konnte. Noch jetzt beim Schreiben frage ich mich, wieso solche Bücher weniger gewürdigt werden als andere. Nur solche, augenzwinkernden Sammlungen zeigen uns doch, wie groß und kurios unsere Welt ist. Wahrscheinlich stehe ich mit dieser Einschätzung sehr allein im Raum aber > Was heißt hier Tingo : und andere verrückte Wörter aus aller Welt< ( Hui langer Titel) von Adam Jacot de Boinod ist mehr als nur ein preisgesenktes Mängelexemplar.


Kostenpunkt: ca. 10 € bei Amazon oder als PDF- Leseprobe
source
Adam Jacot de Boinod, Jahrgang 1960, entdeckte durch ein altes albanisches Wörterbuch, das er als Mitarbeiter der britischen Quizsendung IQ nach schwierigen durchforstete, in dem er auf genau 27 verschiedene Bezeichnungen für Schnurrbärte und ebenso viele für Augenbrauen entdeckte. 
Danach hatte er Blut geleckt. Für sein erstes Werk > Was heißt hier Tingo: und andere verrückte Wörter aus aller Welt<, veröffentlicht 2005 wühlte er sich durch 280 Wörterbücher und 140 Webseiten. Danach folgten zwei weitere Bücher dieser Art, wobei sich 
> Toujour Tingo < ( 2007) weiterhin mit fremdländischen Wörtern unübersetzbarer Natur, > The Wonder of Whiffling < (2009) sich mit ungewöhnlichen Wörtern der englischen Sprache befasst.
source & source 

Über Marija Tiurina findet man im riesigen Internet leider nur, dass sie Britin und vom Beruf her Illustratorin ist. Und einen wirklichen hübschen Namen ihr eigen nennt. 
Ihre Serie > Untranslatable Words < ist unheimlich liebevoll und lustig gestaltet. Schon weil sie alle noch oldschool mit Tusche aufs Papier gebracht wurden, muss man sie einfach lieben.


> Was heißt hier Tingo: und andere verrückte Wörter aus aller Welt < sammelt Wörter aus allen Bereichen des Lebens und, wie schon im Titel angemerkt ,allen Ecken und Winkeln unseres Globus.
Angefangen bei einer normalen Begrüßung, die in Sri Lanka sehr leicht ausfällt, da das Wort ayubowan alle Tages-und Nachtzeiten beinhaltet, bis zu Wörtern, bei dem wohl jedes Rechtschreibprogramm ( so auch meins) ausrastet wie aaa aus dem Hawaiianischen, dem Wort für einen Lavastrom, oder aare aus Estland, das die Oberkante eines Zauns rund um einen Garten beschreibt.



Abgeschmeckt wird das Ganze mit sogenannten „ Nachgedanken“ bei denen der Autor auf allerhand anderer Eigenarten unserer plappernden Welt eingeht. So ist Finnland Herr der Palindrome, also Sätze wie Wörter, die vorwärts wie rückwärts gleich gelesen werden. So ist ein saippuakivikauppias ein Specksteinverkäufer und solutomaattimittaamotulos das Ergebnis eines Messlabors für Tomaten. Wer die Finnen jetzt schon für eines der geilsten Völker der Welt hält der wird vom nun vollgegenden Satz begeistert sein. Neulo taas niin saat oluen bedeutet: erneut stricken, damit man Bier bekommt.
Gott, ich liebe die Finnen! ♥



Ein weiterer Nachgedanke thematisierte die Vermischung verschiedener Muttersprachen, die den Drang, sich untereinander zu verständigen, zu lösen zu versuchen. Bestes Beispiel dafür ist das Pidgin – English, das unteranderem in Papua Neuguinea gesprochen wird. Letztes Jahr habe ich diese Sprache bereits im Roman > Pigeon English<von Stephen Kelman gefunden, hier vorgestellt und lieben gelernt.
Pidgin-English ist eine herrliche Sprache. Eigentlich kurze Wörter werden lang und zunächst augenscheinlich kompliziert umschrieben, ergeben beim genaueren hinsehen aber recht eigenwillig und irgendwie niedlich Sinn.
Liklik box you pull him he cry you push him he cry ist ein ziemlich umständliches Wort für Ziehharmonika, ist aber in sofern höchst logisch, da es genau das beschreibt, was dieses Instrument ausmacht. Auch auf dem Inselstaat Vanatu mitten im Pazifik wird eine Form von Pidgin-English gesprochen. Als ehemalige Kolonie Groß Britanniens hat Vanatu noch immer Verbindungen zum Königreich und wenn Prince Charles die Insel besucht, so wird er mit Pikinini b'long Kween angesprochen, was soviel wie Kind neben der Königin bedeutet. 




Während des Lesens gab es eine Sprache, auf die ich mich immer besonders gefreut – Jiddisch. Diese Sprache ist wirklich der Inbegriff von Witz und rauem Charme. Insbesondere auf Schimpfwörter und Beleidigungen wird hier sehr großen Wert gelegt.
Zolst faliren aleh tseyner achitz eynm, un dos zol dir vey ton ist in meinen Augen die wohl schönste und gleichzeitig schlimmste Verwünschung, die man sich vorstellen kann. Wenn man das um die Ohren gehauen bekommt, weiß man, dass jetzt die Stoffwechselendprodukte so richtig am dampfen sind, schließlich bedeutet sie: Du sollst alle Zähne verlieren, bis auf einen, und der soll dir weh tun. Originell und schmerzhaft – so wie Beleidigungen sein sollen! Herrlich!



 Obwohl das Buch > Was heißt hier Tingo: und andere verrückte Wörter aus aller Welt < mit seinen 224 Seiten wirklich ein Fliegengewicht unter den Wörterbüchern ist, so beinhaltet es so viel mehr, als man bei einmaligen Lesen erfassen kann. Sprache ist etwas wirklich Wundervolles, wenn man sich nur darauf einlässt. Vielleicht hat man sich über die durchgängige Kleinschreibung der unübersetzbaren Wörter und Sätze gewundert. Im Buch waren sie klein geschrieben und da ich mir nicht anmaße, die Groß-und Kleinschreibung einzelner Sprachen zu beherrschen, habe ich es bei der Buchvariante belassen. 


Noch mehr wird es den Leser wohl unter den Fingern gekribbelt haben, endlich die Bedeutung des Wortes tingo zu erfahren. Das Wort kommt aus dem Rapa Nui, das auf den Osterinseln gesprochen wird und beschreibt eine Person, die sich alle möglichen Dinge von ihren Freunden ausleihen, bis deren Haus leer ist.
Da fragt man sich wer sowas macht? Schließlich gibt es ja für Wörter immer einen Auslöser. 
Ich kenne keinen tingo ebenso wenig wie einen koshatnik , wie im Russischen jemand bezeichnet wird, der mit geklauten Katzen handelt. Bei vielen Wörtern wüsste ich zu gerne den Ursprung, was mir wohl kaum vergönnt sein wird.
 > Was heißt hier Tingo: und andere verrückte Wörter aus aller Welt < von Adam Jacot de Boinod wird einen in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich weiter bringen, schließlich ist es immer noch ein Buch und keine Zeitmaschine, aber es birgt doch kleine Kostbarkeiten, die irgendwem irgendwo schon einmal über die Lippen gehuscht sind.

liebst
Ellie ♥

Montag, 14. März 2016

ADLEÖ: Mehr Glück als Munitionswissen



Hallihallo,

Schon im letzten Jahr habe ich euch in einem Post von den Müllbergen, die unsere Wälder verdrecken berichtet. Seither ist es natürlich nicht viel besser geworden. Noch immer sind die Waldarbeiter und ich zu oft im Wald und an den Landstraßen damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften von irgendwelchen widerlichen Erzedelschlampen ( so möchte ich sie einfach mal unverblümt nennen) einzusammeln und fachmännischer zu entsorgen, als sie es für nötig halten.
Neben Verpackungen, Kaffeebechern und benutzten Schwangerschaftstests ( ja, so was habe ich auch bereits gefunden...war herrlich) gibt es noch andere, gefährlichere Dinge, die man im Wald finden kann, obwohl sie dort nicht hingehören.

die töpfische Rückseite
So war ich, unbedarft und unwissend, mit meiner Müllzange unterwegs, als ich etwas zwischen Buche und Kiefer entdeckte, das ich als verrosteten Topf deutete. Zwar hatte er nur einen Henkel und war innen mit einer festen Masse gefüllt. Da aber drum herum verstreut einige Keramiktassen herumlagen und Leute ja in ihre Töpfe tun können, was sie wollen, sah ich nichts Auffälliges und trug den Topf zu meinen Kollegen.
Dort wurde ich von ungläubigen Gesichtern empfangen. Das, was ich da gefunden hatte, war nämlich kein einfaches Kochgeschirr, sondern eine Panzermine, die dann doch relativ ist.
Die normalerweise hochexplosive Vorderseite
Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die Panzermine nur eine Attrappe für Übungszwecke von Soldaten war und anstatt mit Sprengstoff mit Beton gefüllt war. Der Stein, der mir vom Herzen fiel war riesengroß, das kann man mir glauben. Von nun an werde ich noch aufmerksamer durch die Wälder streifen. Ich wurde natürlich auch belehrt, dass in den Brandenburger Wäldern Munition zu finden ist, aber wenn man dann wirklich auf etwas Derartiges stößt, weiß man nicht wie man reagieren soll. Ich musste diese Lektion auf die harte Art und Weise lernen, worüber ich nicht besonders froh bin. Schließlich habe ich mich nicht darum gerissen, eine Panzermine zu finden, aber nun ist es gekommen, wie es gekommen ist. Ich hoffe für euch, dass wenn ihr einmal in so eine Situation kommen solltet, handelt besonnener als ich und rennt!

liebst
Ellie ♥